Öffentliche Nachbereitung: Rudolf-Heß-Marsch und was nun?

Chancen, Potentiale und Strategien antifaschistischer Proteste in Berlin

18.9. // 19:30 Uhr // Versammlungsraum (Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 2. HH., 2.OG)

Bevor am Wochenende christliche Fundamentalist*innen wieder durch Berlin ziehen, wollen wir auf die nicht besonders erfolgreichen Proteste gegen den Heß-Marsch am 18. August 2018 in Berlin zurückblicken. Etwa 700 Neonazis haben ihren Gedenkmarsch zur Glorifizierung des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß leider ziemlich unbehelligt durchführen können. Das gelang ihnen durch die Unterstützung von 2.300 Polizist*innen aus dem ganzen Bundesgebiet und einer Finte des Innensenats, der den antifaschistischen Gegenprotest möglichst deckeln wollte. Dieser war zersplittert und in Friedrichshain/Lichtenberg unkoordiniert und unorganisiert.
Wie war für euch dieser Tag? Was hat euch gefehlt? Und wie können wir das gemeinsam beim nächsten Mal besser machen?
Mit diesen und anderen Fragen wollen wir uns im Vorfeld der Proteste gegen den “Marsch für das Leben” am 22. September beschäftigen.

Das Treffen richtet sich auch an alle die am 18. August staatliche Repression abbekommen haben. Es wird eine Anwältin vor Ort sein.

von und mit: NS-Verherrlichung-Stoppen // Berliner Bündnis gegen Rechts

Antirepression: Post vom 02.04.2016? Meldet euch bei uns!

Am 02.04.2016 sind wir gemeinsam gegen den Neonaziaufmarsch „Sicherheit statt Angst“ auf die Straße gegangen. Dabei kam es zu einigen Ingewahrsamnahmen, jetzt, zweieinhalb Jahre später kommen noch einmal Briefe dazu bei Betroffenen an. Wir erinnern euch: Anna & Artur halten‘s Maul! Ihr müsst auf den Anhörungsbogen NICHT reagieren. Bei Fragen meldet euch lieber VERSCHLÜSSELT bei uns! Achtet jetzt und immer darauf, dass ihr (oder wer anders) euren Briefkasten regelmäßig leert, damit kein Brief übersehen wird.

Meldet euch, wenn ihr Post bekommt / von Repression betroffen seid! Wir behalten das im Auge & laden ggf. zu einem Vernetzungstreffen ein.

Weitere Infos zum Thema Antirepression findet ihr hier.

Solidarität muss schmackhaft werden – Kaffeeklatsch für Betroffene polizeilicher Repression

Leider kommt es am Rande von Demonstrationen immer wieder zu Verhaftungen oder Personalienfeststellung durch die Polizei. Dann heißt es warten bis der Brief kommt, warten ob ein Verfahren eröffnet wird. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Prozess. Das alles kann sich eine Weile hinziehen, finanziell und psychisch belastend sein. Auch wenn die staatliche Repression sich an der Stelle meist gegen eine einzelne Person richtet, sind wir alle damit gemeint! Solidarität ist unsere stärkste Waffe gegen staatliche Repression.

Wenn du bei einer Demonstration, Kundgebung oder politischen Veranstaltung vom Berliner Bündnis gegen Rechts verhaftet worden bist oder die Polizei deine Personalien festgestellt hat, wenn du deswegen schon einen Brief von der Polizei bekommen hast oder gar ein Verfahren vor der Tür steht, laden wir dich ganz herzlich zu unserem Kaffeeklatsch ein!

Bei Kaffee und Kuchen, haben wir ein offenes Ohr für deine Sorgen und Ängste. Wir können gemeinsam überlegen, wie wir dich am Besten unterstützen können. Begleitung zu Gerichtsterminen oder finanzielle Unterstützung beispielsweise. Wir können dir keine Rechtsberatung bieten, aber wir können Kontakte herstellen und gemeinsam in Kontakt bleiben.

ZEIT: Samstag, 01.09.2018, 15 Uhr
Ort: Eiertanz (Admiralstraße 17, 10999 Berlin, U-Bhf Kottbusser Tor)

Wenn du keine Zeit hast, aber trotzdem gerne mit uns in Kontakt treten möchtest, schreib uns am Besten eine E-Mail an antirep@berlingegenrechts.de (PGP-Key findest du hier
https://berlingegenrechts.de/kontakt/)

NS-Verherrlichung stoppen! Kein Heß-Gedenkmarsch in Spandau am 18.08.2018

Neonazis wollen am Samstag, den 18. August 2018, durch Spandau marschieren und den größten Nazi-Aufmarsch Deutschlands durchführen. Letztes Jahr kamen 1.300 Neonazis nach Berlin, dieses Jahr ist weit mehr zu rechnen. Anlass ist der 31. Todestag von Rudolf Heß, der sich am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau das Leben nahm. Wir sagen: NS-Verherrlichung stoppen! Kein Heß-Gedenkmarsch in Berlin!

Der Todestag von Rudolf Heß entwickelte sich seit seinem Tod zum alljährlichen “Jour fixe” der deutschen und europäischen Nazi-Szene. Der angebliche „Friedensflieger“ und bis 1941 Stellvertreter Hitlers wurde zur Symbolfigur von alten und neuen Nazis. Sofort wurde das Gerücht in Umlauf gebracht, Heß sei von den Alliierten umgebracht worden. Schon im Jahr 1990 marschierten über tausend Jung- und Altnazis durch Wunsiedel, wo sich bis 2011 dessen Grab befand.

In seinen Schlussworten bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, sagte Rudolf Heß, dass er “nichts bereue” und das er als Nationalsozialist ein treuer “Gefolgsmann” des Führers war. Diese Worte brachten ihn folgerichtig bis zu seinem Lebensende in das Gefängnis. Sie spiegeln aber auch das Selbstbild und Selbstverständnis heutiger Neonazis wieder. “Rudolf Heß – Märtyrer des Friedens”: unüberhörbar hallte diese geschichtsklitternde, NS-verherrlichende Parole viele Jahre durch das kleine oberfränkische Provinzstädtchen Wunsiedel.

Das neonazistische Gedenken an Rudolf Heß stellt somit ein Teil einer genuin national-sozialistischen Erlebniswelt dar. Es sollen Traditionslinien zu Personen und Ereignissen aus der Zeit der Nationalsozialismus geschaffen werden. Täter und Täterinnen sollen zu Opfern umgelogen, die deutsche Geschichte soll umgedeutet werden. Es gibt jedoch keinen positiven Bezug auf die verbrecherische deutsche Vergangenheit des Nationalsozialismus. Es kann und darf nicht sein, dass die alten und neuen Nazis durch Spandau marschieren. Ein Aufmarsch ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer von Nazis und Neonazis. Aus dem Grund heißt es: antifaschistischer Widerstand am 19.08. in Spandau!

NS-Verherrlichung stoppen! Kein Heß-Gedenkmarsch in Spandau!

Anreisepunkte
9:30 Uhr Alexanderplatz (Eingang Fernsehturm)
9:30 Uhr Hermannplatz
9:30 Uhr TU Hauptgebäude (Fahrradanreise)

AKTIONSTRAINING: Nazis den Tag vermiesen! Aber wie? 12.08. um 15 Uhr

Offenes Aktionstraining für die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Spandau

Am 18. August wollen Neonazis in Spandau aufmarschieren, um ihrem Helden Rudolf Heß zu gedenken. Heß war Hitlers Stellvertreter, 1946 wurde er als Hauptkriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 17. August 1987 erhängte er sich selbst im Gefängnis in Spandau. Mit dem Nationalsozialismus hatte er nie gebrochen und bis heute wird er von Neonazis verehrt.

Zu seinem 30. Todestag versammelten sich im letzten Jahr 800 Neonazis in Spandau, es sollte einer der größten Naziaufmärsche Deutschlands werden. Doch weit kamen sie nicht: Weil sich ihnen rund 1000 entschlossene Gegendemonstrant*innen entgegen stellten, konnten die Nazis nur eine kleine Runde von ein paar hundert Metern drehen und mussten dann abbrechen.

Dieses Jahr wollen wir ihnen ihren Gedenkmarsch wieder vermiesen! Dafür ist es wichtig, dass ganz viele Leute am 18. August nach Spandau kommen und sich den Nazis in den Weg stellen.

Doch wie funktioniert das genau? Wie muss ich mich auf so einen Protest vorbereiten? Wie verhalte ich mich am besten vor Ort? Wie funktionieren Sitzblockaden? Was tun bei Polizeigewalt? Wie kommuniziere ich am besten mit meinen Freund*innen? Wie können wir schnell Entscheidungen treffen? Was könnte im Nachhinein passieren? Und warum ist es überhaupt so wichtig, Naziaufmärsche zu blockieren?

Diese Fragen und alle die ihr sonst noch mitbringt wollen wir gemeinsam klären und uns zusammen in entspannter Atmosphäre auf die Gegenproteste vorbereiten. Dafür haben wir zwei Aktionstrainer*innen vom Netzwerk Skills For Action eingeladen. Mit ihnen können wir alle Fragen besprechen und uns außerdem ganz praktisch für den Tag üben.

Alle sind willkommen! Das Training richtet sich auch an Einsteiger*innen, die zum ersten Mal an Protesten gegen einen Naziaufmarsch teilnehmen. Das Training wird in deutscher Sprache stattfinden, bei Bedarf können wir aber gerne Flüsterübersetzungen in andere Sprachen organisieren. Meldet dazu euren Bedarf einfach hier an oder schreibt uns eine Nachricht an info@berlingegenrechts.de. Ihr könnt uns auch gerne schon vorher eine Nachricht schreiben mit den Fragen, die ihr im Training gerne besprechen wollt.

Wer Lust hat, kommt im Anschluss an das Training noch mit auf ein Getränk in der Hasenschänke.

Bei schlechtem Wetter findet das Training im Projektraum H48 in der Hermannstraße 48 (Neukölln) statt und dauert dann nur bis 17:30 Uhr.

Ein Video von dem Naziaufmarsch und den Protesten im letzten Jahr findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=3ucfBzwBnZM

12.08. 15 bis 18 Uhr Jahn-Denkmal in der Hasenheide (U-Bhf Hermannplatz)

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Open action training for the protests against the Nazi march in Spandau

On 18 August, neo-Nazis want to march in Spandau to commemorate their hero Rudolf Hess. Hess was Hitler’s deputy, in 1946 he was sentenced to life imprisonment as a major war criminal. On August 17, 1987, he hanged himself in prison in Spandau. He never broke with National Socialism and until today he is worshiped by neo-Nazis.

On the occasion of the 30th anniversary of his death, 800 neo-Nazis gathered in Spandau last year; it was to become one of the largest Nazi marches in Germany. But they did not get far: because they were opposed by around 1000 determined counter-demonstrators, the Nazis could only make a small round of a few hundred meters and then had to break off.

This year we want to spoil their memorial march again! For this it is important that a great many people come to Spandau on August 18th and stand in the way of the Nazis.

But how exactly does that work? How should I prepare for such a protest? What’s the best way to behave on the ground? How do sit-ins work? What to do about police violence? How do I communicate best with my friends? How can we make decisions quickly? What could happen after the event? And why is it so important to block Nazi marches?

We want to answer these questions as well as any others you want to discuss, and we want to prepare for the counter-protests together in a relaxed atmosphere. For this we invited two action coaches from the network Skills For Action. With them we can discuss all questions and also prepare us practically for the day.

All are welcome! The training is also aimed at newcomers who participate for the first time in protests against a Nazi march. The training will take place in German, but if required we can organize whispered translations into other languages. Simply register your needs here or write a message to info@berlingegenrechts.de. You may also like to write us a message with the questions that you would like to discuss in the training.

If you feel like it, you can join us for a drink at Hasenschänke after the training.

If the weather is bad, the training takes place in the project room H48 in the Hermannstraße 48 (Neukölln) and then only takes until 17:30 clock.

Here you can find a video of the Nazi march and the protests last year: https://www.youtube.com/watch?v=3ucfBzwBnZM

12.08. 3pm till 6pm  Jahn-Denkmal Hasenheide (U-Bhf Hermannplatz)

Rudolf Heß – Mythos und Integrationsfigur der militanten Naziszene

Am 18. August 2018 wollen über tausend Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Europa den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Hess ehren. Wer war dieser Mann und was macht ihn für Nazis aller Couleur so interessant?

Heß wurde 1894 in Alexandria (Ägypten) geboren. Er meldete sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst und nahm mit Begeisterung am 1. Weltkrieg teil. 1920 trat er in die NSdAP ein. 1924 war er gemeinsam mit Adolf Hitler im Landsberger Gefängnis inhaftiert. Dort soll er an Hitlers “Mein Kampf” mitgeschrieben haben. Nach der Entlassung wurde er Hitlers persönlicher Sekretär und nach 1933 dessen Stellvertreter. Als Minister ohne Geschäftsbereich unterstand er einzig dem Befehl Hitlers. Am 10. Mai 1941 stürzte sein Flugzeug über Schottland ab und er kam in Kriegsgefangenschaft. Über den Grund des Fluges kann nur spekuliert werden. Am naheliegendsten scheint die Absicht, mit England einen Separatfrieden auszuhandeln. Das scheiterte aber kläglich, kein einziger Diplomat hat jemals mit ihm geredet.

1946 wurde Heß als Wegbereiter des Nationalsozialismus und NS-Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zu seinem Selbstmord 1987 verbrachte er diese Zeit im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Um seine Person wurden schon in den 50er Jahren Mythen aufgebaut, die in der Lage sind Heß zu einer Integrationsfigur für verschiedene Spektren der Neonaziszene zu machen.

  • Mythos 1 – Rudolf Hess der “Friedensflieger”: Sein missglückter Flug nach Großbritannien wird benutzt, um zu behaupten, Hess wäre ein Parlamentär des Friedens gewesen und nicht ein NS-Kriegsverbrecher.
  • Mythos 2 – Der “einsamste Gefangene der Welt”: Diese Erzählung rankt sich um die lange Haft in Spandau. In den 80er Jahren gab es vielfach Stimmen aus Politik und Öffentlichkeit, die seine Freilassung aus humanitären Gründen forderten.
  • Mythos 3 – Rudolf Hess der “Standhafte”: In Nürnberg gab Heß an, nichts zu bereuen. Dabei blieb er bis zu seinem Tod und wurde so zum heldenhaften Vorbild ganzer Nazigenerationen.
  • Mythos 4 – “Rudolf Hess das war Mord”: Aus der Sicht von Nazis kann ein faschistischer Held nur im Kampf durch fremde Hand gestorben sein. Deshalb hält sich bis heute die These, dass Hess ermordert wurde. Er wird damit zum Märtyrer.

Diese zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzenen Erzählungen dienen nicht nur der Rehabilitierung von Rudolf Heß. Der Kult ist der Steigbügelhalter für die Rehabilitierung und Glorifizierung des Nationalsozialismus. Darum geht es den Nazis von NPD, “Die Rechte” oder der Kameradschaftsszene, die am 18. August in Spandau aufmarschieren wollen. Deshalb kommt am 18.08. nach Spandau und beteiligt euch an den Gegenprotesten! Genauere Ankündigungen zu Anreise und Weiteres folgen in den nächsten zwei Wochen.

NS-Verherrlichung stoppen!
Nie wieder Krieg!

Mythos Hess – Zur Geschichte der Nazi-Aufmärsche

Am 18. August 2018 wollen hunderte Neonazis in Spandau zu Ehren des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß aufmarschieren. Der Heldenmythos um Heß ist nicht nur geeignet, die verschiedenen Spektren der deutschen und internationalen Nazis zusammenzuführen, sondern bedient insbesondere das Bedürfnis nach Rehabilitierung und Glorifizierung des historischen Nationalsozialismus.

Die Liste der Versuche von Nazis den Nationalsozialismus zu verherrlichen ist lang und insbesondere – aber nicht nur – mit der Person Rudolf Hess verbunden. Nach der Selbsttötung von Heß im August 1987 trafen sich allabendlich bis zu 200 Nazis vor dem Gefängnis in Spandau. Nach dessen Abriss verlagerten sich die Aufmärsche nach Wunsiedel, wo Heß begraben wurde. Dort, und später aufgrund Verboten in anderen Städten, trafen sich jährlich bis zu 2000 Nazis. Polizeiliche Repression und antifaschistische Intervention brachten einen Rückgang der Teilnehmer*innenzahlen. Als das Demonstrationsverbot in Wunsiedel wieder aufgehoben wurde, erhöhte sich die Attraktivität des Naziaufmarsches. Im Jahr 2004 kamen über 4500 Nazis nach Wunsiedel.

Aber Wunsiedel war nicht der einzige Ort, an dem der Nationalsozialismus verherrlicht wurde. Ende der 90er und zu Beginn der 2000er Jahre gab es große Naziaufmärsche z.B. gegen die Wehrmachtsausstellung in München (5.000 Teilnehmer*innen), die Aufmärsche am Kriegsgräberfriedhof in Halbe (1.600 Teilnehmer*innen) und nicht zuletzt den Trauermärschen in Dresden (6.000 Teilnehmer*innen). Vor allem zogen diese Mobilisierungen viele Nazis aller Coleur an, weil sie eine nationalsozialistische Erlebiswelt schufen – mit Fahnen, Trommeln und Musik von Richard Wagner. Andererseits versuchten sie Einfluss zu nehmen auf den Diskurs um deutsche Geschichte, indem sie Täter (wie z.B. Hess, Wehrmachtssoldaten) zu Opfern stilisierten.

Erfolgreiche antifaschistische Kampagnen, wie “NS Verherrlichung stoppen” oder “Dresden nazifrei” erreichten mit Demonstrationen und Blockaden ein Ende dieser Aufmärsche. Letztendlich scheiterten auch die neonazistischen Trauermärsche in Magdeburg und Bad Nenndorf am Widerstand von Antifaschist*innen und Bewohner*innen. In den letzten Jahren versuchten Nazis mit dezentralen Aktionen an ihr Idol Rudolf Hess zu erinnern. Meist waren dies aber nur Aufkleber oder Flugblattverteilaktionen in verschiedenen Städten der Bundesrepublik.

In diesem Jahr versuchen die Nazis an die vergangenen erfolgreichen Mobilisierungen anzuknüpfen. Die Verherrlichung des Nationalsozialismus ist für dieses Spektrum nichts Althergebrachtes, sondern äußerst attraktiv. Diese Nazis schöpfen ihre Motivation und die argumentative Berechtigung für Angriffe auf Flüchtlingsheime und politsche Gegener aus dem Mythos Heß und der Stilisierung von Deutschen als Opfer. Dass sie damit nicht allein oder ein zu vernachlässigendes Häufchen ewig Gestriger sind, zeigen Forderungen von AfD und Konsorten nach einem Schlusstrich unter die deutsche Geschichtsaufarbeitung.

Keine Wiederbelung des Rudolf Heß Marsches!

NS-Verherrlichung stoppen!
Nie wieder Krieg!

PRESSEMITTEILUNG: Kein Schlussstrich – Aufruf zur Demonstration am 11. Juli 2018

Berlin, 09.07.2018

Am Mittwoch, den 11.07.2018 endet der NSU-Prozess. Nicht nur vor dem Oberlandesgericht München, sondern auch in Berlin wird es aus diesem Anlass eine Demonstration unter dem Motto “Kein Schlussstrich” um 17 Uhr, Platz der Luftbrücke, geben.

Dazu erklärt Peter Smolinski, Sprecher des Berliner Bündnis gegen Rechts:

„Mit den Urteilen gegen Beate Zschäpe, André Eminger, Holger Gerlach, Ralf Wohlleben und Carsten Sch. endet zwar der Prozess in München, nicht aber die gesellschaftliche Aufarbeitung. Die Morde und Anschläge des NSU sind damit nicht aufgeklärt, der Prozess wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet und kann nur ein Anfang sein.

Auch heute werden Migrant*innen Opfer rechter Gewalt, die derzeitige rassistische Hetze wird verstärkt und schafft den Boden für weitere Taten. Rechte Gewalt wird verharmlost und nicht als solche anerkannt. Wir fordern, dass endlich Lehren aus dem NSU gezogen werden. Wir fordern eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem NSU und der Gesellschaft, die ihn möglich macht(e)! Wir fordern: Kein Schlussstrich!“

Mit Blick auf den von Neonazis geplanten Heß-Marsch in Spandau am 18. August 2018 fügt Smolinski hinzu: „Nicht nur das NSU-Kerntrio aus Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt nahm an den rechten Märschen in Gedenken an den NS-Kriegsverbrecher Heß teil, sondern eine ganze Generation militanter Neonazis hat sich dort sozialisiert. Keinen Schlussstrich zu ziehen bedeutet für uns auch, Neonazistrukturen nicht ungestört zu lassen und NS-Verherrlichen aktiv zu stören. Wir organisieren daher Proteste gegen den Heß-Aufmarsch.“

 

AUFRUF: In Gedenken an die Opfer des NSU

In Gedenken an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.

Vor fünf Jahren begann vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe, André Eminger, Holger Gerlach, Ralf Wohlleben und Carsten Sch., nun endet er. Und das Fazit ist frustrierend: Die Morde und Anschläge des NSU sind damit nicht aufgeklärt, der Prozess wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet und kann nur ein Anfang sein.

Der NSU-Komplex ist noch mehr als drei Nazis, die mehr als ein Jahrzehnt mordend durch Deutschland ziehen konnten, einer rassistischen Vernichtungsideologie folgend, gedeckt und versteckt von Unterstützer*innen aus der rechten Szene und dem Verfassungsschutz. Die Morde wurden ermöglicht durch rassistisch ermittelnde Polizeibehörden, hetzende Medien, Politiker*innen, die weggesehen und die spezifisch rassistische Motivation der Taten verleugnet haben sowie einer Gesellschaft, in der Rassismus kein Randproblem ist.

Auch heute werden Migrant*innen Opfer rechter Gewalt, die Hetze wird verstärkt und schafft den Boden für weitere Taten. Rechte Gewalt wird verharmlost und nicht als solche anerkannt. Es müssen endlich Lehren aus dem NSU gezogen werden, es braucht eine Auseinandersetzung mit dem NSU und der Gesellschaft, die ihn möglich macht(e).

Wir fordern: Kein Schlussstrich!

Kommt zur Demonstration am Tag X der Urteilsverkündung, 17 Uhr, Platz der Luftbrücke.

Weitere Informationen zu Demonstrationen und Aktionen findet ihr auf: https://nsuprozess.net sowie https://irgendwoindeutschland.org/aufruf-demonstration-berlin-4-jahre-nsu-prozess-kein-schlussstrich/

Übersicht: Aktionen am 27. Mai

Die AfD trifft sich am 27. Mai um 12 Uhr auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof und will von dort aus zum Brandenburger Tor (Platz des 18. März) laufen.

Hier eine kurze Übersicht über geplante Aktionen an diesem Tag. Ausführlichere Informationen gibt es unter: https://www.stopptdenhass.org/aktionen/

  • 11:30 Uhr: Kundgebung auf dem Platz der Republik / Reichstagswiese
  • 11 Uhr: Treffpunkte für Aktionen gegen den AfD Aufmarsch:
    • Gesundbrunnen – Bahnhofsvorplatz
    • Hallesches Tor – Mehringplatz

Was ist sonst noch los in Berlin?

Nicht nur wir stellen uns am 27. Mai der AfD entgegen, sondern auch unsere Freund*innen haben super Veranstaltungen geplant – gemeinsam füllen wir Berlin mit Solidarität, Weltoffenheit und Selbstbestimmung.

  • 11 Uhr: Glänzende Demo (Künstler*innen und Theaterschaffenden von DIE VIELEN). Route: Vom Park am Weinbergpark zum Pariser Platz am Brandenburger Tor
  • 12 Uhr: „Hauptsache es knallt. AfD wegbassen“ (Berliner Club- und Open-Air-Szene  als Reclaim Club Culture). Startpunkt 1 ab 10 Uhr: Europaplatz (Hbf). Startpunkt 2 ab 12 Uhr: Hansaplatz
  • 12 Uhr: We Stay United (Antirassitische Initativen). Kundgebung mit Musik am Bertolt-Brecht-Platz
  • 12 Uhr: Wasserdemo (Zusammenschluss von Berliner Floßkollektiven). Protest auf der Spree unter dem Motto: „Nie wieder!“

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Aktionskarte 27.05.

Weitere Infos:

  • Immer auf dem neusten Stand bleibt ihr auf Twitter und mit dem Demo-Ticker von Stoppt den Hass
  • Die Hashtags für den Tag lauten: #b2705 | #stopptdenhass | #noafd_b
  • Weitere Infos gibt es auch bei Berlin gegen Nazis