Pressemitteilung des Berliner Bündnis gegen Rechts zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch am 09.11.2018

Unter dem Motto „Gedenken heißt Handeln!“ beteiligten sich am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht mehr als 5.000 Menschen an zwei Demonstrationszügen und sechs Kundgebungen gegen den Naziaufmarsch. Dem Aufruf der Nazis folgten kaum mehr als 100 Personen.

David Kiefer, Pressesprecher des Berliner Bündnis gegen Rechts: „Der Naziaufmarsch am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht stellt eine unerträgliche Verhöhnung der Opfer der Shoah dar. Mit unserem lauten, bunten und vielfältigen Aktionen haben wir gezeigt, dass sich viele Menschen Antisemitismus und rechter Hetze entgegenstellen.“

Ein breites Bündnis aus antifaschistischen Gruppen, Künstler*innen, Anwohner*innen-Initiativen, der Berliner Clubszene, Jugendorganisationen und vielen weiteren Gruppen hatte zu den Protesten aufgerufen. Neben einer antifaschistischen Aktionswoche mit Gedenk- und Informationsveranstaltungen im Vorfeld des 9. November gab es am Tag selbst viele kreative Aktionen wie z. B. Soundcollagen und Lichtinstallationen.

„Der Protest der Zivilgesellschaft im Vorfeld hat Wirkung gezeigt. Gerade einmal etwas mehr als 100 Personen sind dem Aufruf der Nazis gefolgt. Für die Zukunft fordern wir, dass Demonstrationsrouten von Naziaufmärschen frühzeitig bekannt gegeben werden, um antifaschistische Proteste nicht weiterhin zu behindern.“

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage:
https://www.berlingegenrechts.de

Pressekontakt:
David Kiefer, Pressesprecher “Berliner Bündnis gegen Rechts“
Tel.: 0160 – 94 85 99 72, Mail: presse@berlingegenrechts.de

Pressemitteilung Berliner Bündnis gegen Rechts zum Verbot des Naziaufmarsches am 09.11.2018 in Berlin

Berlin, 08.11.2018

Gestern hat die Innenverwaltung unter Andreas Geisel den Naziaufmarsch am 9. November und alle Ersatzveranstaltungen verboten. Dazu David Kiefer, Pressesprecher des Berliner Bündnis gegen Rechts:

„Der zahlreiche zivilgesellschaftliche Protest zeigt Erfolg. Ein Naziaufmarsch an diesem Tag wäre eine ungeheure Provokation gegenüber den Opfern der Shoah. Wir geben allerdings erst Entwarnung, wenn das Verbot vor Gericht Bestand hat. Wir stellen uns darauf ein, am 9. November gegen Nazis zu protestieren und halten deshalb an unseren Kundgebungen unter dem Motto „Gedenken heißt Handeln!“ fest.“

Übersicht der Veranstaltungen, die das Berliner Bündnis gegen Rechts gemeinsam mit anderen Organisationen am 09.11.2018 plant:

  • 16:00 Uhr: Rosa-Luxemburg-Platz > Torstraße > Rosenthaler Platz > Brunnenstraße > Invalidenstraße > Europaplatz (Ankunft 18 Uhr), Reclaim Resistance – Reclaim Club Culture, Demo und Öffentliche Geschichtsstunden, Motto: Faschismus wegbeamen
  • 17:00 Uhr: Mahnmal Levetzowstr. > Gotzkoswkystr. > Turm > Stromstr. > Alt-Moabit, Gedenkkundgebung, anschl. Demonstration Richtung Washingtonplatz
  • 17:30 Uhr: Hugo-Preuss-Brücke – Berliner Bündnis gegen Rechts, Kundgebung
  • 17:30 Uhr: Alt-Moabit / Katharina-Paulus-Str. – Berliner Bündnis gegen Rechts, Kundgebung
  • 17:30 Uhr: Platz der Republik – Berliner Bündnis gegen Rechts, Kundgebung
  • 18 Uhr: Spreebogenpark – Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin, Kundgebung
  • 18 Uhr: Marschallbrücke > Spreebogenpark – Licht an gegen Nazis. Ein leuchtender Protestzug – gegen Rechts

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage: https://www.berlingegenrechts.de und unter #GedenkenheißtHandeln

Pressekontakt: David Kiefer, Pressesprecher “Berliner Bündnis gegen Rechts“

Tel.: 0160 – 94 85 99 72, Mail: presse@berlingegenrechts.de

 

Gedenken heißt Handeln: Geplante Veranstaltungen und Proteste am 09.11.2018

++++ Die Gerichte haben das Verbot der heutigen Nazidemo gekippt. Die Nazis werden also laufen. Alle unsere Protestkundgebungen finden wie geplant statt. Kommt vorbei! Alle aktuellen Infos unter #b0911 und #GedenkenheißtHandeln.++++

Die Reichspogromnacht jährt sich am 9. November 2018 zum 80. Mal. Genau dann ruft die neonazistische Gruppierung “Wir für Deutschland e.V.” unter dem Motto “Den Opfern deutscher Politik” zu einem Aufmarsch durch Berlins Mitte auf. Rechte, gewaltbereite Hooligans und Rassisten, Neonazis, Reichsbürger, Burschenschaftler, Mitglieder der Identitären Bewegung und AfD – so breit ist das Spektrum bei Demonstrationen von Wir für Deutschland. Ein Nazi-Aufmarsch an diesem Tag in der Berliner Innenstadt ist eine Verhöhnung aller Opfer der Shoah – wir werden uns diesem entgegenstellen. Unseren Aufruf mit vielen anderen Gruppen findet Ihr hier.

Die Ereignisse des 9. November 1938 waren, sind und bleiben eine Mahnung für die Gegenwart und Zukunft. In diesem Sinne wird sich unser vielfältiger Protest gestalten: Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen wollen wir auch dieses Jahr an die ermordeten Jüd*innen erinnern und ihrer würdig gedenken. Zudem wird es im Vorhinein sowie am Tag selbst eine Vielzahl von unterschiedlichen Veranstaltungen und Protestaktionen geben. Wir werden und wollen Widerstand sichtbar machen und laden alle Berlinerinnen und Berliner zum Gedenken und Handeln ein. Unser Protest soll laut, bunt und vielfältig sein.

Ab dem 04.11.findet eine antifaschistische Aktionswoche mit verschiedenen Veranstaltungen in ganz Berlin statt. Detaillierte Infos gibt es hier.

Gedenken und Protest – Was ist geplant am Freitag, den  9.11.2018:

  • – 17:00 Uhr: Mahnmal Levetzowstr. > Gotzkoswkystr. > Turm > Stromstr. > Alt-Moabit,     Gedenkkundgebung, anschl. Demonstration
  • – 17:30 Uhr: Hugo-Preuss-Brücke – Berliner Bündnis gegen Rechts, Kundgebung
  • – 17:30 Uhr: Alt-Moabit / Katharina-Paulus-Str. – Berliner Bündnis gegen Rechts, Kundgebung
  • – 17:30 Uhr: Platz der Republik – Berliner Bündnis gegen Rechts, Kundgebung
  • – 18 Uhr: Spreebogenpark – Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin, Kundgebung
  • – 16 Uhr: Rosa-Luxemburg-Platz > Tortstraße > Rosenthaler Platz > Brunnenstraße > Invalidenstraße >
  •   Europaplatz (Ankunft 18 Uhr), Reclaim Resistance – Reclaim Club Culture, Demo und Öffentliche
  •   Geschichtsstunden, Motto: Faschismus wegbeamen
  • – 18 Uhr: Marschallbrücke > Spreebogenpark – Licht an gegen Nazis. Ein leuchtender Protestzug – gegen Rech

Sound gegen Nazis: Am 09.11. sollen Namen der Opfer der Shoah laut überall erklingen. Lade Dir die folgende Audiodatei runter und bringe Deine Bluetooth-Box mit (Download)!

Aktionskarte mit allen Veranstaltungsorten:

Eine Version in hoher Auflösung (zum drucken) gibt es hier!

Um euch zwischen den unterschiedlichen Versammlungen an der Naziroute bewegen zu können, müsst ihr folgende Informationen zu den Zugängen beachten:

  1. 1. Washingtonplatz (Südausgang des Hauptbahnhofs, Startpunkt der Nazis): Komplett gesperrt, kein Zugang hierüber zu irgendeiner antifaschistischen Kundgebung. Die U55 fährt außerdem nicht mehr bis Mitte Dezember aufgrund von Bauarbeiten.
  2. 2. Hugo-Preuss-Brücke (BBgR, 17:30 Uhr) und Spreebogenpark (Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin, 18:00 Uhr): Die Kundgebung auf der Hugo-Preuss-Brücke (östlich des Washington-Platzes, nördlich der Spree) ist über das Alexanderufer oder Kapelle-Ufer zu erreichen. Der Weg über die Fußgänger*innenbrücke zwischen Washingtonplatz und Spreebogenpark bleibt durchgängig für die Gegenproteste offen. Die Kronprinzenbrücke ist nur bedingt zugänglich. Die Kundgebung am Spreebogenpark (auf der südlichen Spreeseite) ist auch über das Ludwig-Erhard-Ufer erreichbar.
  3. 3. Alt-Moabit / Katharina-Paulus-Straße (BBgR, 17:30 Uhr): Die Kundgebung auf Alt-Moabit Ecke Katharina-Paulus-Straße (westlich des Washington-Platzes, nördlich der Spree) ist von Norden erreichbar, nicht aber von Süden. Es gibt keinen direkten Zugang von dieser Kundgebung zu einer anderen Kundgebung.
  4. 4. Platz der Republik (BBgR, 17:30 Uhr): Die Kundgebung am Platz der Republik (vermuteter Endpunkt der Nazis) ist von Süden erreichbar. Der Zugang über die Kronprinzenbrücke kann nicht garantiert werden.

Bewegt euch möglichst nicht alleine im Raum Hauptbahnhof, da mit Anreisen von Nazis aus allen Richtungen zu rechnen ist.

GEDENKEN HEIßT HANDELN – AUFRUF ZU PROTESTEN AM 09. NOVEMBER 2018

Die Reichspogromnacht jährt sich am 9. November 2018 zum 80. Mal – genau dann wollen die Neonazis von Wir für Deutschland e.V. um Enrico Stubbe, die mehrfach die rechtsradikalen Merkel muss weg-Aufmärsche organisiert haben, unter dem Motto „Den Opfern deutscher Politik“ durch Berlins Mitte marschieren. Dieser Ungeheuerlichkeit treten wir mit aller Entschlossenheit entgegen! Deswegen rufen wir alle Berliner*innen dazu auf, an diesem Tag  alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um den Nazis nicht die Straße zu überlassen!

Die am 9. November 1938  von der SA und ihren Helfer*innen aus der Bevölkerung begangenen Verbrechen sind weder relativierbar noch umdeutbar. Die Polizei des Deutschen Reiches sah weg, während Wohnungen zerstört, Synagogen niedergebrannt, hunderte Jüd*innen misshandelt, gedemütigt und ermordet wurden. Im Anschluss wurden tausende jüdische Menschen systematisch in Konzentrationslagern inhaftiert. Es folgte die Deportation und Ermordung der europäischen Jüd*innen, die Shoah. Ein Nazi-Aufmarsch an diesem Tag in der Berliner Innenstadt ist eine Verhöhnung aller Opfer der Shoah. Sich diesem Aufmarsch entgegenzustellen, ist gerade in Zeiten des wiedererstarkenden Antisemitismus für alle Pflicht.

Der Berliner Innensenat unter Ägide der SPD ist mit seiner jahrelangen Praxis der Absicherung von Naziaufmärschen zu jeder Zeit und zu jedem Anlass mitverantwortlich dafür, dass Berlin für Neonazis und Faschisten aller Schattierungen – trotz erheblichen gesellschaftlichen Widerstandes – ein attraktives Aufmarschgebiet darstellt. Bis heute werden Aufmarschrouten nicht transparent gemacht, ganze Stadtteile hermetisch abgesperrt, Gewaltanwendung gegen protestierende Antifaschist*innen und deren Strafverfolgung sind in Berlin Standard. Der R2G-Senat muss sich entscheiden, ob er in aller Deutlichkeit zu einem antifaschistischen Grundkonsens steht oder mit dieser Art der Politik weiter gegen den antifaschistischen gesellschaftlichen Protest arbeiten will.

Gemeinsam wollen wir deshalb auch dieses Jahr an die ermordeten Jüd*innen erinnern und ihrer würdig gedenken. Die Ereignisse des 9. November 1938 waren, sind und bleiben eine Mahnung für die Gegenwart und Zukunft. In diesem Sinne wird sich auch unser vielfältiger Protest gestalten und es dennoch an Vehemenz nicht fehlen lassen. Kein Platz für nationalistisches Gedankengut und rechte Parolen.

Kein Vergeben, kein Vergessen.

Anarche

Antifa Friedrichshain

Berliner Bündnis gegen Rechts

Black Pond Antifa

Clubcommission

Grüne Jugend Berlin

Interventionistische Linke (IL) Berlin

la:iz FU Berlin

Linksjugend [‘solid] Berlin

Marxistisches Forum in der Partei DIE LINKE

NaturFreunde Berlin

Spandauer Bündnis gegen Rechts

Reclaim Club Culture

RiA – Risse im Asphalt (HU Berlin)

RSNZRFLXN

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA)

 


Spread the Word: Helft uns Plakate und Flyer  zum 09.11. in der ganzen Stadt zu verteilen. Abholstationen findet Ihr hier:

  • Buchladen “Schwankende Weltkugel”, Kastanienallee 88, Prenzlauer Berg
  • BAIZ, Schönhauser Alle 26 A, Prenzlauer Berg
  • Buchladen “Schwarze Risse”, Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg

 

Öffentliche Nachbereitung: Rudolf-Heß-Marsch und was nun?

Chancen, Potentiale und Strategien antifaschistischer Proteste in Berlin

18.9. // 19:30 Uhr // Versammlungsraum (Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 2. HH., 2.OG)

Bevor am Wochenende christliche Fundamentalist*innen wieder durch Berlin ziehen, wollen wir auf die nicht besonders erfolgreichen Proteste gegen den Heß-Marsch am 18. August 2018 in Berlin zurückblicken. Etwa 700 Neonazis haben ihren Gedenkmarsch zur Glorifizierung des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß leider ziemlich unbehelligt durchführen können. Das gelang ihnen durch die Unterstützung von 2.300 Polizist*innen aus dem ganzen Bundesgebiet und einer Finte des Innensenats, der den antifaschistischen Gegenprotest möglichst deckeln wollte. Dieser war zersplittert und in Friedrichshain/Lichtenberg unkoordiniert und unorganisiert.
Wie war für euch dieser Tag? Was hat euch gefehlt? Und wie können wir das gemeinsam beim nächsten Mal besser machen?
Mit diesen und anderen Fragen wollen wir uns im Vorfeld der Proteste gegen den “Marsch für das Leben” am 22. September beschäftigen.

Das Treffen richtet sich auch an alle die am 18. August staatliche Repression abbekommen haben. Es wird eine Anwältin vor Ort sein.

von und mit: NS-Verherrlichung-Stoppen // Berliner Bündnis gegen Rechts

Antirepression: Post vom 02.04.2016? Meldet euch bei uns!

Am 02.04.2016 sind wir gemeinsam gegen den Neonaziaufmarsch „Sicherheit statt Angst“ auf die Straße gegangen. Dabei kam es zu einigen Ingewahrsamnahmen, jetzt, zweieinhalb Jahre später kommen noch einmal Briefe dazu bei Betroffenen an. Wir erinnern euch: Anna & Artur halten‘s Maul! Ihr müsst auf den Anhörungsbogen NICHT reagieren. Bei Fragen meldet euch lieber VERSCHLÜSSELT bei uns! Achtet jetzt und immer darauf, dass ihr (oder wer anders) euren Briefkasten regelmäßig leert, damit kein Brief übersehen wird.

Meldet euch, wenn ihr Post bekommt / von Repression betroffen seid! Wir behalten das im Auge & laden ggf. zu einem Vernetzungstreffen ein.

Weitere Infos zum Thema Antirepression findet ihr hier.

Solidarität muss schmackhaft werden – Kaffeeklatsch für Betroffene polizeilicher Repression

Leider kommt es am Rande von Demonstrationen immer wieder zu Verhaftungen oder Personalienfeststellung durch die Polizei. Dann heißt es warten bis der Brief kommt, warten ob ein Verfahren eröffnet wird. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Prozess. Das alles kann sich eine Weile hinziehen, finanziell und psychisch belastend sein. Auch wenn die staatliche Repression sich an der Stelle meist gegen eine einzelne Person richtet, sind wir alle damit gemeint! Solidarität ist unsere stärkste Waffe gegen staatliche Repression.

Wenn du bei einer Demonstration, Kundgebung oder politischen Veranstaltung vom Berliner Bündnis gegen Rechts verhaftet worden bist oder die Polizei deine Personalien festgestellt hat, wenn du deswegen schon einen Brief von der Polizei bekommen hast oder gar ein Verfahren vor der Tür steht, laden wir dich ganz herzlich zu unserem Kaffeeklatsch ein!

Bei Kaffee und Kuchen, haben wir ein offenes Ohr für deine Sorgen und Ängste. Wir können gemeinsam überlegen, wie wir dich am Besten unterstützen können. Begleitung zu Gerichtsterminen oder finanzielle Unterstützung beispielsweise. Wir können dir keine Rechtsberatung bieten, aber wir können Kontakte herstellen und gemeinsam in Kontakt bleiben.

ZEIT: Samstag, 01.09.2018, 15 Uhr
Ort: Eiertanz (Admiralstraße 17, 10999 Berlin, U-Bhf Kottbusser Tor)

Wenn du keine Zeit hast, aber trotzdem gerne mit uns in Kontakt treten möchtest, schreib uns am Besten eine E-Mail an antirep@berlingegenrechts.de (PGP-Key findest du hier
https://berlingegenrechts.de/kontakt/)

NS-Verherrlichung stoppen! Kein Heß-Gedenkmarsch in Spandau am 18.08.2018

Neonazis wollen am Samstag, den 18. August 2018, durch Spandau marschieren und den größten Nazi-Aufmarsch Deutschlands durchführen. Letztes Jahr kamen 1.300 Neonazis nach Berlin, dieses Jahr ist weit mehr zu rechnen. Anlass ist der 31. Todestag von Rudolf Heß, der sich am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau das Leben nahm. Wir sagen: NS-Verherrlichung stoppen! Kein Heß-Gedenkmarsch in Berlin!

Der Todestag von Rudolf Heß entwickelte sich seit seinem Tod zum alljährlichen “Jour fixe” der deutschen und europäischen Nazi-Szene. Der angebliche „Friedensflieger“ und bis 1941 Stellvertreter Hitlers wurde zur Symbolfigur von alten und neuen Nazis. Sofort wurde das Gerücht in Umlauf gebracht, Heß sei von den Alliierten umgebracht worden. Schon im Jahr 1990 marschierten über tausend Jung- und Altnazis durch Wunsiedel, wo sich bis 2011 dessen Grab befand.

In seinen Schlussworten bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, sagte Rudolf Heß, dass er “nichts bereue” und das er als Nationalsozialist ein treuer “Gefolgsmann” des Führers war. Diese Worte brachten ihn folgerichtig bis zu seinem Lebensende in das Gefängnis. Sie spiegeln aber auch das Selbstbild und Selbstverständnis heutiger Neonazis wieder. “Rudolf Heß – Märtyrer des Friedens”: unüberhörbar hallte diese geschichtsklitternde, NS-verherrlichende Parole viele Jahre durch das kleine oberfränkische Provinzstädtchen Wunsiedel.

Das neonazistische Gedenken an Rudolf Heß stellt somit ein Teil einer genuin national-sozialistischen Erlebniswelt dar. Es sollen Traditionslinien zu Personen und Ereignissen aus der Zeit der Nationalsozialismus geschaffen werden. Täter und Täterinnen sollen zu Opfern umgelogen, die deutsche Geschichte soll umgedeutet werden. Es gibt jedoch keinen positiven Bezug auf die verbrecherische deutsche Vergangenheit des Nationalsozialismus. Es kann und darf nicht sein, dass die alten und neuen Nazis durch Spandau marschieren. Ein Aufmarsch ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer von Nazis und Neonazis. Aus dem Grund heißt es: antifaschistischer Widerstand am 19.08. in Spandau!

NS-Verherrlichung stoppen! Kein Heß-Gedenkmarsch in Spandau!

Anreisepunkte
9:30 Uhr Alexanderplatz (Eingang Fernsehturm)
9:30 Uhr Hermannplatz
9:30 Uhr TU Hauptgebäude (Fahrradanreise)

AKTIONSTRAINING: Nazis den Tag vermiesen! Aber wie? 12.08. um 15 Uhr

Offenes Aktionstraining für die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Spandau

Am 18. August wollen Neonazis in Spandau aufmarschieren, um ihrem Helden Rudolf Heß zu gedenken. Heß war Hitlers Stellvertreter, 1946 wurde er als Hauptkriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 17. August 1987 erhängte er sich selbst im Gefängnis in Spandau. Mit dem Nationalsozialismus hatte er nie gebrochen und bis heute wird er von Neonazis verehrt.

Zu seinem 30. Todestag versammelten sich im letzten Jahr 800 Neonazis in Spandau, es sollte einer der größten Naziaufmärsche Deutschlands werden. Doch weit kamen sie nicht: Weil sich ihnen rund 1000 entschlossene Gegendemonstrant*innen entgegen stellten, konnten die Nazis nur eine kleine Runde von ein paar hundert Metern drehen und mussten dann abbrechen.

Dieses Jahr wollen wir ihnen ihren Gedenkmarsch wieder vermiesen! Dafür ist es wichtig, dass ganz viele Leute am 18. August nach Spandau kommen und sich den Nazis in den Weg stellen.

Doch wie funktioniert das genau? Wie muss ich mich auf so einen Protest vorbereiten? Wie verhalte ich mich am besten vor Ort? Wie funktionieren Sitzblockaden? Was tun bei Polizeigewalt? Wie kommuniziere ich am besten mit meinen Freund*innen? Wie können wir schnell Entscheidungen treffen? Was könnte im Nachhinein passieren? Und warum ist es überhaupt so wichtig, Naziaufmärsche zu blockieren?

Diese Fragen und alle die ihr sonst noch mitbringt wollen wir gemeinsam klären und uns zusammen in entspannter Atmosphäre auf die Gegenproteste vorbereiten. Dafür haben wir zwei Aktionstrainer*innen vom Netzwerk Skills For Action eingeladen. Mit ihnen können wir alle Fragen besprechen und uns außerdem ganz praktisch für den Tag üben.

Alle sind willkommen! Das Training richtet sich auch an Einsteiger*innen, die zum ersten Mal an Protesten gegen einen Naziaufmarsch teilnehmen. Das Training wird in deutscher Sprache stattfinden, bei Bedarf können wir aber gerne Flüsterübersetzungen in andere Sprachen organisieren. Meldet dazu euren Bedarf einfach hier an oder schreibt uns eine Nachricht an info@berlingegenrechts.de. Ihr könnt uns auch gerne schon vorher eine Nachricht schreiben mit den Fragen, die ihr im Training gerne besprechen wollt.

Wer Lust hat, kommt im Anschluss an das Training noch mit auf ein Getränk in der Hasenschänke.

Bei schlechtem Wetter findet das Training im Projektraum H48 in der Hermannstraße 48 (Neukölln) statt und dauert dann nur bis 17:30 Uhr.

Ein Video von dem Naziaufmarsch und den Protesten im letzten Jahr findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=3ucfBzwBnZM

12.08. 15 bis 18 Uhr Jahn-Denkmal in der Hasenheide (U-Bhf Hermannplatz)

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Open action training for the protests against the Nazi march in Spandau

On 18 August, neo-Nazis want to march in Spandau to commemorate their hero Rudolf Hess. Hess was Hitler’s deputy, in 1946 he was sentenced to life imprisonment as a major war criminal. On August 17, 1987, he hanged himself in prison in Spandau. He never broke with National Socialism and until today he is worshiped by neo-Nazis.

On the occasion of the 30th anniversary of his death, 800 neo-Nazis gathered in Spandau last year; it was to become one of the largest Nazi marches in Germany. But they did not get far: because they were opposed by around 1000 determined counter-demonstrators, the Nazis could only make a small round of a few hundred meters and then had to break off.

This year we want to spoil their memorial march again! For this it is important that a great many people come to Spandau on August 18th and stand in the way of the Nazis.

But how exactly does that work? How should I prepare for such a protest? What’s the best way to behave on the ground? How do sit-ins work? What to do about police violence? How do I communicate best with my friends? How can we make decisions quickly? What could happen after the event? And why is it so important to block Nazi marches?

We want to answer these questions as well as any others you want to discuss, and we want to prepare for the counter-protests together in a relaxed atmosphere. For this we invited two action coaches from the network Skills For Action. With them we can discuss all questions and also prepare us practically for the day.

All are welcome! The training is also aimed at newcomers who participate for the first time in protests against a Nazi march. The training will take place in German, but if required we can organize whispered translations into other languages. Simply register your needs here or write a message to info@berlingegenrechts.de. You may also like to write us a message with the questions that you would like to discuss in the training.

If you feel like it, you can join us for a drink at Hasenschänke after the training.

If the weather is bad, the training takes place in the project room H48 in the Hermannstraße 48 (Neukölln) and then only takes until 17:30 clock.

Here you can find a video of the Nazi march and the protests last year: https://www.youtube.com/watch?v=3ucfBzwBnZM

12.08. 3pm till 6pm  Jahn-Denkmal Hasenheide (U-Bhf Hermannplatz)

Rudolf Heß – Mythos und Integrationsfigur der militanten Naziszene

Am 18. August 2018 wollen über tausend Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Europa den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Hess ehren. Wer war dieser Mann und was macht ihn für Nazis aller Couleur so interessant?

Heß wurde 1894 in Alexandria (Ägypten) geboren. Er meldete sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst und nahm mit Begeisterung am 1. Weltkrieg teil. 1920 trat er in die NSdAP ein. 1924 war er gemeinsam mit Adolf Hitler im Landsberger Gefängnis inhaftiert. Dort soll er an Hitlers “Mein Kampf” mitgeschrieben haben. Nach der Entlassung wurde er Hitlers persönlicher Sekretär und nach 1933 dessen Stellvertreter. Als Minister ohne Geschäftsbereich unterstand er einzig dem Befehl Hitlers. Am 10. Mai 1941 stürzte sein Flugzeug über Schottland ab und er kam in Kriegsgefangenschaft. Über den Grund des Fluges kann nur spekuliert werden. Am naheliegendsten scheint die Absicht, mit England einen Separatfrieden auszuhandeln. Das scheiterte aber kläglich, kein einziger Diplomat hat jemals mit ihm geredet.

1946 wurde Heß als Wegbereiter des Nationalsozialismus und NS-Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zu seinem Selbstmord 1987 verbrachte er diese Zeit im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Um seine Person wurden schon in den 50er Jahren Mythen aufgebaut, die in der Lage sind Heß zu einer Integrationsfigur für verschiedene Spektren der Neonaziszene zu machen.

  • Mythos 1 – Rudolf Hess der “Friedensflieger”: Sein missglückter Flug nach Großbritannien wird benutzt, um zu behaupten, Hess wäre ein Parlamentär des Friedens gewesen und nicht ein NS-Kriegsverbrecher.
  • Mythos 2 – Der “einsamste Gefangene der Welt”: Diese Erzählung rankt sich um die lange Haft in Spandau. In den 80er Jahren gab es vielfach Stimmen aus Politik und Öffentlichkeit, die seine Freilassung aus humanitären Gründen forderten.
  • Mythos 3 – Rudolf Hess der “Standhafte”: In Nürnberg gab Heß an, nichts zu bereuen. Dabei blieb er bis zu seinem Tod und wurde so zum heldenhaften Vorbild ganzer Nazigenerationen.
  • Mythos 4 – “Rudolf Hess das war Mord”: Aus der Sicht von Nazis kann ein faschistischer Held nur im Kampf durch fremde Hand gestorben sein. Deshalb hält sich bis heute die These, dass Hess ermordert wurde. Er wird damit zum Märtyrer.

Diese zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzenen Erzählungen dienen nicht nur der Rehabilitierung von Rudolf Heß. Der Kult ist der Steigbügelhalter für die Rehabilitierung und Glorifizierung des Nationalsozialismus. Darum geht es den Nazis von NPD, “Die Rechte” oder der Kameradschaftsszene, die am 18. August in Spandau aufmarschieren wollen. Deshalb kommt am 18.08. nach Spandau und beteiligt euch an den Gegenprotesten! Genauere Ankündigungen zu Anreise und Weiteres folgen in den nächsten zwei Wochen.

NS-Verherrlichung stoppen!
Nie wieder Krieg!