Mythos Hess – Zur Geschichte der Nazi-Aufmärsche

Am 18. August 2018 wollen hunderte Neonazis in Spandau zu Ehren des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß aufmarschieren. Der Heldenmythos um Heß ist nicht nur geeignet, die verschiedenen Spektren der deutschen und internationalen Nazis zusammenzuführen, sondern bedient insbesondere das Bedürfnis nach Rehabilitierung und Glorifizierung des historischen Nationalsozialismus.

Die Liste der Versuche von Nazis den Nationalsozialismus zu verherrlichen ist lang und insbesondere – aber nicht nur – mit der Person Rudolf Hess verbunden. Nach der Selbsttötung von Heß im August 1987 trafen sich allabendlich bis zu 200 Nazis vor dem Gefängnis in Spandau. Nach dessen Abriss verlagerten sich die Aufmärsche nach Wunsiedel, wo Heß begraben wurde. Dort, und später aufgrund Verboten in anderen Städten, trafen sich jährlich bis zu 2000 Nazis. Polizeiliche Repression und antifaschistische Intervention brachten einen Rückgang der Teilnehmer*innenzahlen. Als das Demonstrationsverbot in Wunsiedel wieder aufgehoben wurde, erhöhte sich die Attraktivität des Naziaufmarsches. Im Jahr 2004 kamen über 4500 Nazis nach Wunsiedel.

Aber Wunsiedel war nicht der einzige Ort, an dem der Nationalsozialismus verherrlicht wurde. Ende der 90er und zu Beginn der 2000er Jahre gab es große Naziaufmärsche z.B. gegen die Wehrmachtsausstellung in München (5.000 Teilnehmer*innen), die Aufmärsche am Kriegsgräberfriedhof in Halbe (1.600 Teilnehmer*innen) und nicht zuletzt den Trauermärschen in Dresden (6.000 Teilnehmer*innen). Vor allem zogen diese Mobilisierungen viele Nazis aller Coleur an, weil sie eine nationalsozialistische Erlebiswelt schufen – mit Fahnen, Trommeln und Musik von Richard Wagner. Andererseits versuchten sie Einfluss zu nehmen auf den Diskurs um deutsche Geschichte, indem sie Täter (wie z.B. Hess, Wehrmachtssoldaten) zu Opfern stilisierten.

Erfolgreiche antifaschistische Kampagnen, wie “NS Verherrlichung stoppen” oder “Dresden nazifrei” erreichten mit Demonstrationen und Blockaden ein Ende dieser Aufmärsche. Letztendlich scheiterten auch die neonazistischen Trauermärsche in Magdeburg und Bad Nenndorf am Widerstand von Antifaschist*innen und Bewohner*innen. In den letzten Jahren versuchten Nazis mit dezentralen Aktionen an ihr Idol Rudolf Hess zu erinnern. Meist waren dies aber nur Aufkleber oder Flugblattverteilaktionen in verschiedenen Städten der Bundesrepublik.

In diesem Jahr versuchen die Nazis an die vergangenen erfolgreichen Mobilisierungen anzuknüpfen. Die Verherrlichung des Nationalsozialismus ist für dieses Spektrum nichts Althergebrachtes, sondern äußerst attraktiv. Diese Nazis schöpfen ihre Motivation und die argumentative Berechtigung für Angriffe auf Flüchtlingsheime und politsche Gegener aus dem Mythos Heß und der Stilisierung von Deutschen als Opfer. Dass sie damit nicht allein oder ein zu vernachlässigendes Häufchen ewig Gestriger sind, zeigen Forderungen von AfD und Konsorten nach einem Schlusstrich unter die deutsche Geschichtsaufarbeitung.

Keine Wiederbelung des Rudolf Heß Marsches!

NS-Verherrlichung stoppen!
Nie wieder Krieg!

Pressemitteilung des Berliner Bündnis gegen Rechts: Strafprozess: Nachspiel zum Heß-Marsch 2018

Termin: Do., 25.7.19, 12:30 Uhr, Amtsgericht Tiergarten (Kirchstr. 6), Raum 1002

Drei Wochen vor dem diesjährigen Neonazi-Aufmarsch zum Gedenken an Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, findet ein Strafprozess wegen der antifaschistischen Proteste gegen den Marsch im letzten Jahr statt (1). Das Berliner Bündnis gegen Rechts ruft zur kritischen Prozessbeobachtung auf.

Am 25. Juli steht eine junge Antifaschistin vor Gericht, der vorgeworfen wird sich in einer Menschen-Blockade (kurzzeitig) vermummt zu haben, als Neonazis vorbeigeführt wurden. Im Anschluss wurde sie von der Polizei unter massiver Gewalt festgenommen. Aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen sah sich die Polizei gezwungen einen Widerstand gegen Polizeibeamte (§113) zu konstruieren. Dazu David Kiefer vom Berliner Bündnis gegen Rechts: “Auch in Berlin gehört es schon lange zur polizeilichen Praxis, die eigene Brutalität mit vermeintlichen Widerstandshandlungen der Betroffenen ebendieser Polizeigewalt zu kaschieren.”

Gegen einen vorangegangenen Strafbefehl über 1.500 Euro hatte die Betroffene Widerspruch eingelegt. Die Folge ist nun der Strafprozess. Geladen sind ausschließlich Polizeizeugen.

In den vorigen Jahren waren wiederholt Mitglieder von Combat 18, aus dessen Reihen der Mord an Walter Lübcke verübt wurde, unter den Teilnehmern der Heß-Märsche. (2) Wer sich zum Schutz der eigenen Identität gegenüber potentiellen Rechtsterroristen vermummt, handelt nicht gegen das Versammlungsgesetz. (3,4) “Wir erwarten einen Freispruch. Die Polizei hat hier eindeutig übertrieben. Das Verfahren wegen Widerstand ist die Folge einer aus dem Ruder gelaufenen Festnahme, die zudem rechtswidrig war”, so Kiefer vom BBgR weiter.

Das Berliner Bündnis gegen Rechts organisiert auch in diesem Jahr antifaschistische Proteste gegen den Aufmarsch am 17. August. Neonazis aus NPD, Die Rechte und Der Dritte Weg haben angekündigt, wieder in Berlin im Gedenken an Rudolf Heß (gest. 17.8.87) zu demonstrieren.

Mehr zu den Protesten unter: berlingegenrechts.de

Pressekontakt:
David Kiefer, Pressesprecher “Berliner Bündnis gegen Rechts“
Mail: presse@berlingegenrechts.de

(1) https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-08/rudolf-hess-neonazi-aufmarsch-spandau-buendnis-gegen-rechts
(2) https://exif-recherche.org/?envira=19-08-2017-rudolf-hess-gedenkmarsch-spandau
(3) https://exif-recherche.org/?envira=18-08-2018-rudolf-hess-gedenkmarsch-berlin
(3) https://www.apabiz.de/2007/vermummung-gegenueber-nazis-erlaubt/

Veranstaltungen

20.6., 19 Uhr, JUP
Info-Veranstaltung zum Hess Marsch 2019

Auch dieses Jahr wird es wieder einen Naziaufmarsch im Gedenken an
Rudolf Hess in Berlin geben. Beim Tresen der Pankower Aktivistischen Organisation wird eine Person vom Bündnis gegen den Hess-Marsch die
Hintergründe dieser Demo erklärung und welche Proteste dieses Jahr geplant sind. Danach kühle Getränke und was mensch bei Tresen so macht

 

22.6.19
Kein Kiez für Nazis! Antifaschistische Stadtrundfahrt durch Spandau
15:00 Ernst-Reuter-Platz // 16:00 U7-Zitadelle Spandau

Spandau droht zu kippen! Ist für die meisten Berliner_innen Spandau ein
etwas verschlafener Bezirk am Rande der Stadt, wird er für Nazikader,
Thor-Steinar-Träger_innen, AfD-Prominenz und die Grauen Wölfe zu einem neuen Zentrum.
Doch ihnen wird am 22.06.2019 eine entschlossene Fahrraddemo in die
Parade fahren! Wir werden Stätten rechter Umtriebe markieren und an
antifaschistischen Widerstand erinnern.

Zuletzt ist eine rasante Zunahme rechter Aktivitäten zu verzeichnen: Seit 2017 versuchen Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet in Spandau ein jährliches Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess zu etablieren. Im März 2019 hat am Brunsbüttler Damm ein Thor-Steinar-Laden eröffnet, der nicht nur Nazis in Spandau, sondern auch in Berlin und Umland mit Nazi-Nickis versorgt.
Zahlreiche Sprühereien gegen Antifaschist_innen oder kurdische
Genoss_innen verdeutlichen rechte Aneignungsversuche im öffentlichen
Raum.

Schnappt euch eure Räder, Freundis und werdet Teil des antifaschistischen Fahrradkorsos!

22. Juni 2019 // 15:00 Ernst-Reuter-Platz // 16:00 U7-Zitadelle Spandau

 

28.6., 20 Uhr, ZGK

Und weiter geht’s. Am Freitag, dem 28. Juni, findet unser nächster Solitresen statt. Wie immer gibt es eine breite Auswahl kühler Getränke
und Musik aus der Dose.

Wir freuen uns, dass dieses Mal auf einen Mobi-Vortrag zu den Protesten
gegen den Hess-Gedenkmarsch im August in Berlin:

Die letzten beiden Jahre zogen mehr als 700 Neonazis aus dem gesamten
Bundesgebiet zum Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess durch
Berlin. Diese NS-verherrlichende Veranstaltung wurde so gut es ging von der Berliner Polizei durchgesetzt. In diesem Jahr soll das anders werden.

Wir haben das Berliner Bündnis eingeladen, das zu Massenblockaden gegen den Neonazi-Aufmarsch aufruft. Die Referent_innen werden uns die zentralen Akteure des Aufmarschs
vorstellen und die Pläne zur Verhinderung der Veranstaltung vorstellen.

Danach gibt es wie immer die Möglichkeit, mit uns ins Gespräch zu kommen oder zur Finanzierung unserer Gruppenprojekte Soligetränke zu sich zu nehmen.

 


Gedenken heißt Handeln: Antifaschistische Ationswoche ab dem 04. November 2018

Die Reichspogromnacht jährt sich am 9. November 2018 zum 80. Mal – genau dann wollen die Neonazis von Wir für Deutschland e.V. um Enrico Stubbe, die mehrfach die rechtsradikalen Merkel muss weg-Aufmärsche organisiert haben, unter dem Motto „Den Opfern deutscher Politik“ durch Berlins Mitte marschieren. Dieser Ungeheuerlichkeit treten wir mit aller Entschlossenheit entgegen! Wir werden nicht nur am Tag selbst auf der Straße sein (aktuelle Infos wird es hier geben), sondern auch schon im Vorfeld mit einer Antifaschistischen Aktionswoche zeigen: Kein Vergeben, kein Vergessen.

Ab Sonntag, dem 04. November 2018 finden eine Reihe von Veranstaltungen in ganz Berlin statt.

Kurzüberblick:

04.11., 13:00 Uhr, Mehringhof
> Aktionstraining: „Du bist die Verhinderung des Naziaufmarschs!“
oliveberlin.noblogs.org

05.11., 19:00 Uhr, HU Berlin:
> Studien zum Autoritären Charakter
https://www.facebook.com/events/705690036472552/

06.11., 19:00 Uhr, HU Berlin:
> Geheimdienst – Wissenschaft – NSU –– Extremismusdoktrin gegen migrantisch situiertes Wissen
https://www.facebook.com/events/935818463270396/

07.11., 19:00 Uhr, Baiz:
> Inforveranstaltung zu Protesten & das Berliner Bündnis gegen Rechts stellt sich vor
https://www.facebook.com/events/303535896928360/

07.11., 19:00 Uhr, HU Berlin: 
> Jüdischer Widerstand während des Nationalsozialismus
https://www.facebook.com/events/2413275945366159/

08.11., 19:00 Uhr, HU Berlin:
> Die »Identitäre Bewegung« als Akteurin der Neuen Rechten
https://www.facebook.com/events/2496719253673395/

08.11., 18:30 Uhr, Villa Freundschaft:
> „November 1918 – Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts“
https://www.facebook.com/events/348864639016937/

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Sonntag, der 04. November

> Aktionstraining: „Du bist die Verhinderung des Naziaufmarschs!“
13:00 Uhr, Mehringhof (Versammlungsraum, Gneisenaustraße 2a, 10961), Antifa Friedrichshain
Am 9. November wollen Neonazis wieder in Berlin-Mitte marschieren. Damit es uns gelingt, diese Veranstaltung wahrnehmbar zu stören, wollen wir vorher ein Training für zivilen Ungehorsam veranstalten. Wir laden alle Interessierten, ob jung oder alt, ob fußlahm oder marathonbereit zu einem Aktionstraining ein.
Fragen, die beim Training beantwortet werden: Was können wir gegen Nazi-Aufmärsche konkret tun? Wie blockiere ich eigentlich eine Straße? Wie ist die rechtliche Situation? Wie treffe ich Leute, die mitmachen? Wo kann ich mich beteiligen?
Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen der Offenen Linke Vernetzungstage. Mehr unter: oliveberlin.noblogs.org

Montag, der 05. November

> Studien zum Autoritären Charakter
19:00 Uhr, Humboldt-Universität (HU-Hauptgebäude Unter den Linden 6., Hörsaal 2097) – la:iz
Die von Theodor W. Adorno und anderen Wissenschaftlern in den 1940er Jahren im Angesicht des europäischen Faschismus angefertigten “Studien zum Autoritären Charakter” orientieren sich an der Hypothese, dass “die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Überzeugungen” von Menschen oft ein “umfassendes und kohärentes, gleichsam durch eine ›Mentalität‹ oder einen ›Geist‹ zusammengehaltenes Denkmuster bilden, und dass dieses Denkmuster Ausdruck verborgener Züge der individuellen Charakterstruktur ist.”
Der Schwerpunkt der Studien war zunächst die Erörterung der Frage, wer antisemitische und ethnozentristische Ideen befürwortet und wer nicht. Ausgehend von dieser Frage war das Anliegen, das faschistische Potential in der damaligen amerikanischen Bevölkerung darzustellen. Grundlage dafür war die Annahme, dass der Faschismus besser bekämpft werden könne, wenn die psychologischen Kräfte, die ihn begünstigen, erkannt würden.
Die Forschenden gingen davon aus, dass Charakterstrukturen so beschaffen sein können, dass in der Konsequenz Individuen besonders anfällig für faschistische Propaganda sind. Eine autoritäre Charakterstruktur bedeutet nicht, dass von den jeweiligen Individuen rechtsorientierte Ideen schon zum Zeitpunkt der Untersuchung vertreten werden. Vielmehr geht es darum, das Potential für die Annahme solcher Ideen festzustellen. Empfänglich ist demnach vor allem, wer bereit ist, in autoritären Kategorien zu denken.
Unter anderem im Bereich der Faschismustheorien werden die Untersuchungen genutzt, um faschistische Tendenzen in Gesellschaften der Vergangenheit und Gegenwart zu erklären.
Vor dem Hintergrund autoritär-konservativer Entwicklungen in Deutschland und weltweit, sind die “Studien zum Autoritären Charakter” von großer Aktualität. Dieser Vortrag soll eine Einführung in die Studien bieten und sie mit aktuellen politischen Entwicklungen in Verbindung setzen.
Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/events/705690036472552/

Dienstag, der 06. November

> Geheimdienst – Wissenschaft – NSU. Extremismusdoktrin gegen migrantisch situiertes Wissen
19:00 Uhr, Humboldt-Universität (HU-Hauptgebäude Unter den Linden 6., Hörsaal 2097) – la:iz
Die militanten Neonazinetzwerke des NSU waren von zahlreichen Informanten des Verfassungsschutzes durchsetzt, die diese Szene maßgeblich mitaufbauten. Nach dem Auffliegen des NSU versuchte das BfV die Spuren dieser Zusammenarbeit akribisch zu verwischen. Gleichzeitig haben als Soziologen getarnte Geheimdienstmitarbeiter jahrzehntelang und bis heute die akademische Wissensproduktion im Bereich der Extremismusforschung bestimmt. Diese Forschung hat den Naziterrorismus verharmlost oder als nicht existent abgetan und gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Behörden auf antirassistische und antifaschistische Akteure gelenkt und die Opfer der Gewalt in Täter gewandelt.
Der Vortrag führt aus, wie die Extremismusdoktrin unmittelbar die rassistische Gewalt im NSU-Komplex befördert hat. Aber auch, wie sich migrantische Communities mit ihrem situierten Wissen gegen diesen Komplex gewehrt haben.
Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/events/935818463270396/

Mittwoch, der 07. November

> Das Berliner Bündnis gegen Rechts stellt sich vor
19:00 Uhr, Baiz (Schönhauser Allee 26a, 10435), Berliner Bündnis gegen Rechts (BBgR)
Die Veranstaltung ist zweigeteilt, zum einen wollen wir einen Überblick verschaffen über die Proteste gegen den Naziaufmarsch am 09.11. rund um den Washingtonplatz.
In einem zweiten Teil stellen sich die Gruppen des BBgR vor: Chemnitz und Köthen – die Ereignisse dort haben auch Nazis in Berlin ermutigt, sicher wieder verstärkt im Stadtraum zu zeigen. Am 03. Oktober zogen circa 1.500 von Polizei und Wasserwerfer geschützt durch Berlin Mitte, in Neukölln tauchen an zwei Wochenenden hintereinander Gruppen von Faschos auf, die sich linke Treffpunkte ausgeguckt hatten, können aber bevor sie Schaden anrichten vertrieben werden. Viele Menschen in den Kiezen, die lange nicht, noch gar nicht oder sonst nur vereinzelt etwas mit Antifa zu tun hatten, haben das Bedürfnis aktiv zu werden, manche sind auf der Suche nach festen Bezugsgruppen. Deshalb haben wir vom Berliner Bündnis gegen Rechts beschlossen, mit den bei uns vertretenen Gruppen eine Info-Veranstaltung zu machen,bei der sich mensch informieren kann wer was wo macht und welche Schwerpunkte und Umsetzungsstrategien die einzelnen Organisationen und Strukturen haben. Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/events/303535896928360/

> Jüdischer Widerstand im Nationalsozialismus
19:00 Uhr, Humboldt-Universität (HU-Hauptgebäude Unter den Linden 6., Hörsaal 2002) – la:iz
Mehr Informationen folgen.
Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/events/2413275945366159/

Donnerstag, der 08. November

> „November 1918 – Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts“
18:30 Uhr, Villa Freundschaft (Wiesenstraße 44, 13357) – linksjugend [’solid]
Wir wollen mit euch die Ereignisse zwischen Kieler Matrosenaufständen und Weimarer Republik erkunden und analysieren, was den Grund für die 14 Jahre später folgende Naziherrschaft bereitete. Zum Erstarken der heutigen radikalen Rechten zeigen sich Parallelen und verleihen den Folgen der Novemberrevolution 1918 eine besondere Aktualität.
Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/events/348864639016937/

> Provokation als Medienstrategie – Die »Identitäre Bewegung« als Akteur der Neuen Rechten
19:00 Uhr, Humboldt-Universität ( (HU-Hauptgebäude Unter den Linden 6., Hörsaal 2097) – la:iz
Die »Identitäre Bewegung« (IB) ist spätestens seit dem Herbst 2016, als ein Dutzend ihrer Aktivisten auf das Brandenburger Tor kletterten, auch in der deutschen Öffentlichkeit hinlänglich bekannt. Mit provokanten Aktionen hat sich die IB erfolgreich einen Platz in der deutschen Medienberichterstattung ergattert. Doch um wen handelt es sich bei der IB? Wer sind die Akteure, was sind ihre Ziele und Strategien und welche Ideologiefragmente lassen sich ausmachen? Und wer ist die Neue Rechte? Der Vortrag widmet sich diesen Fragestellungen anhand zahlreicher Visualisierungen.
Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/events/2496719253673395/

AKTIONSTRAINING: Nazis den Tag vermiesen! Aber wie? 12.08. um 15 Uhr

Offenes Aktionstraining für die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Spandau

Am 18. August wollen Neonazis in Spandau aufmarschieren, um ihrem Helden Rudolf Heß zu gedenken. Heß war Hitlers Stellvertreter, 1946 wurde er als Hauptkriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 17. August 1987 erhängte er sich selbst im Gefängnis in Spandau. Mit dem Nationalsozialismus hatte er nie gebrochen und bis heute wird er von Neonazis verehrt.

Zu seinem 30. Todestag versammelten sich im letzten Jahr 800 Neonazis in Spandau, es sollte einer der größten Naziaufmärsche Deutschlands werden. Doch weit kamen sie nicht: Weil sich ihnen rund 1000 entschlossene Gegendemonstrant*innen entgegen stellten, konnten die Nazis nur eine kleine Runde von ein paar hundert Metern drehen und mussten dann abbrechen.

Dieses Jahr wollen wir ihnen ihren Gedenkmarsch wieder vermiesen! Dafür ist es wichtig, dass ganz viele Leute am 18. August nach Spandau kommen und sich den Nazis in den Weg stellen.

Doch wie funktioniert das genau? Wie muss ich mich auf so einen Protest vorbereiten? Wie verhalte ich mich am besten vor Ort? Wie funktionieren Sitzblockaden? Was tun bei Polizeigewalt? Wie kommuniziere ich am besten mit meinen Freund*innen? Wie können wir schnell Entscheidungen treffen? Was könnte im Nachhinein passieren? Und warum ist es überhaupt so wichtig, Naziaufmärsche zu blockieren?

Diese Fragen und alle die ihr sonst noch mitbringt wollen wir gemeinsam klären und uns zusammen in entspannter Atmosphäre auf die Gegenproteste vorbereiten. Dafür haben wir zwei Aktionstrainer*innen vom Netzwerk Skills For Action eingeladen. Mit ihnen können wir alle Fragen besprechen und uns außerdem ganz praktisch für den Tag üben.

Alle sind willkommen! Das Training richtet sich auch an Einsteiger*innen, die zum ersten Mal an Protesten gegen einen Naziaufmarsch teilnehmen. Das Training wird in deutscher Sprache stattfinden, bei Bedarf können wir aber gerne Flüsterübersetzungen in andere Sprachen organisieren. Meldet dazu euren Bedarf einfach hier an oder schreibt uns eine Nachricht an info@berlingegenrechts.de. Ihr könnt uns auch gerne schon vorher eine Nachricht schreiben mit den Fragen, die ihr im Training gerne besprechen wollt.

Wer Lust hat, kommt im Anschluss an das Training noch mit auf ein Getränk in der Hasenschänke.

Bei schlechtem Wetter findet das Training im Projektraum H48 in der Hermannstraße 48 (Neukölln) statt und dauert dann nur bis 17:30 Uhr.

Ein Video von dem Naziaufmarsch und den Protesten im letzten Jahr findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=3ucfBzwBnZM

12.08. 15 bis 18 Uhr Jahn-Denkmal in der Hasenheide (U-Bhf Hermannplatz)

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Open action training for the protests against the Nazi march in Spandau

On 18 August, neo-Nazis want to march in Spandau to commemorate their hero Rudolf Hess. Hess was Hitler’s deputy, in 1946 he was sentenced to life imprisonment as a major war criminal. On August 17, 1987, he hanged himself in prison in Spandau. He never broke with National Socialism and until today he is worshiped by neo-Nazis.

On the occasion of the 30th anniversary of his death, 800 neo-Nazis gathered in Spandau last year; it was to become one of the largest Nazi marches in Germany. But they did not get far: because they were opposed by around 1000 determined counter-demonstrators, the Nazis could only make a small round of a few hundred meters and then had to break off.

This year we want to spoil their memorial march again! For this it is important that a great many people come to Spandau on August 18th and stand in the way of the Nazis.

But how exactly does that work? How should I prepare for such a protest? What’s the best way to behave on the ground? How do sit-ins work? What to do about police violence? How do I communicate best with my friends? How can we make decisions quickly? What could happen after the event? And why is it so important to block Nazi marches?

We want to answer these questions as well as any others you want to discuss, and we want to prepare for the counter-protests together in a relaxed atmosphere. For this we invited two action coaches from the network Skills For Action. With them we can discuss all questions and also prepare us practically for the day.

All are welcome! The training is also aimed at newcomers who participate for the first time in protests against a Nazi march. The training will take place in German, but if required we can organize whispered translations into other languages. Simply register your needs here or write a message to info@berlingegenrechts.de. You may also like to write us a message with the questions that you would like to discuss in the training.

If you feel like it, you can join us for a drink at Hasenschänke after the training.

If the weather is bad, the training takes place in the project room H48 in the Hermannstraße 48 (Neukölln) and then only takes until 17:30 clock.

Here you can find a video of the Nazi march and the protests last year: https://www.youtube.com/watch?v=3ucfBzwBnZM

12.08. 3pm till 6pm  Jahn-Denkmal Hasenheide (U-Bhf Hermannplatz)

Rudolf Heß – Mythos und Integrationsfigur der militanten Naziszene

Am 18. August 2018 wollen über tausend Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Europa den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Hess ehren. Wer war dieser Mann und was macht ihn für Nazis aller Couleur so interessant?

Heß wurde 1894 in Alexandria (Ägypten) geboren. Er meldete sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst und nahm mit Begeisterung am 1. Weltkrieg teil. 1920 trat er in die NSdAP ein. 1924 war er gemeinsam mit Adolf Hitler im Landsberger Gefängnis inhaftiert. Dort soll er an Hitlers “Mein Kampf” mitgeschrieben haben. Nach der Entlassung wurde er Hitlers persönlicher Sekretär und nach 1933 dessen Stellvertreter. Als Minister ohne Geschäftsbereich unterstand er einzig dem Befehl Hitlers. Am 10. Mai 1941 stürzte sein Flugzeug über Schottland ab und er kam in Kriegsgefangenschaft. Über den Grund des Fluges kann nur spekuliert werden. Am naheliegendsten scheint die Absicht, mit England einen Separatfrieden auszuhandeln. Das scheiterte aber kläglich, kein einziger Diplomat hat jemals mit ihm geredet.

1946 wurde Heß als Wegbereiter des Nationalsozialismus und NS-Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zu seinem Selbstmord 1987 verbrachte er diese Zeit im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Um seine Person wurden schon in den 50er Jahren Mythen aufgebaut, die in der Lage sind Heß zu einer Integrationsfigur für verschiedene Spektren der Neonaziszene zu machen.

  • Mythos 1 – Rudolf Hess der “Friedensflieger”: Sein missglückter Flug nach Großbritannien wird benutzt, um zu behaupten, Hess wäre ein Parlamentär des Friedens gewesen und nicht ein NS-Kriegsverbrecher.
  • Mythos 2 – Der “einsamste Gefangene der Welt”: Diese Erzählung rankt sich um die lange Haft in Spandau. In den 80er Jahren gab es vielfach Stimmen aus Politik und Öffentlichkeit, die seine Freilassung aus humanitären Gründen forderten.
  • Mythos 3 – Rudolf Hess der “Standhafte”: In Nürnberg gab Heß an, nichts zu bereuen. Dabei blieb er bis zu seinem Tod und wurde so zum heldenhaften Vorbild ganzer Nazigenerationen.
  • Mythos 4 – “Rudolf Hess das war Mord”: Aus der Sicht von Nazis kann ein faschistischer Held nur im Kampf durch fremde Hand gestorben sein. Deshalb hält sich bis heute die These, dass Hess ermordert wurde. Er wird damit zum Märtyrer.

Diese zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzenen Erzählungen dienen nicht nur der Rehabilitierung von Rudolf Heß. Der Kult ist der Steigbügelhalter für die Rehabilitierung und Glorifizierung des Nationalsozialismus. Darum geht es den Nazis von NPD, “Die Rechte” oder der Kameradschaftsszene, die am 18. August in Spandau aufmarschieren wollen. Deshalb kommt am 18.08. nach Spandau und beteiligt euch an den Gegenprotesten! Genauere Ankündigungen zu Anreise und Weiteres folgen in den nächsten zwei Wochen.

NS-Verherrlichung stoppen!
Nie wieder Krieg!

Christian Häger & das Aktionsbüro Mittelrhein – Hintergrund zum Anmelder des “Rudolf-Heß-Gedenkmarsches” am 19.08. in Spandau

Am 19. August 2017 wollen hunderte Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Europa den NS-Kriegsverbrecher Rudolf Hess ehren. Wer ist der Anmelder der NS-verherrlichenden Demonstration? Woher kommt er?

Anmelder ist Christian Häger. Dieser war ehemaliger Kader und Chef des “Aktionsbüro Mittelrhein” (ABM) sowie des “Braunen Hauses” in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Name des Hauses war eine Anlehnung an die frühere NSDAP-Zentrale in München. Häger und seine Anhänger des ABM organisierten Neonazi-Aktivitäten im Norden von Rheinland-Pfalz. Politisches Ziel war für das ABM und Häger die Exekutierung aller Antifaschist*innen und den Aufbau eines nationalsozialistischen Staates nach historischem Vorbild.

Das “Braune Haus” begann als Wohngemeinschaft von fünf Nazis. Häger baute es zu einem überregionalen Treffpunk für Neonazis und NS-Sektierer aus. Hier wurde zu besonderen Anlässen braune Hemden getragen und es konnten SA-Sportabzeichen erworben werden. Gemeinsam wurde sich in “Rassenkunde” fortgebildet und das Modelabel “Rhein-Arische-Jugend” betrieben. Bei Anrufen wurde sich mit “White Power” gemeldet. Der Hauptfeind waren “Linke”, denen sie Autoscheiben einwarfen, Reifen zerstachen oder Autos anzündeten. Das ABM stellte ein Zitat auf ihre Internetseite von den NS-Täter Horst Wessel. Dieses rief zur Gewalt gegen “Linke” auf.

Darüber hinaus sammelten Häger & Co. Daten über Journalist*innen, sprühten Hakenkreuze und überklebten mehrere Straßenzüge mit den Slogan “Rudolf-Heß-Straße”. Im Jahr 2011 kam es am Rande des jährlichen Nazi-Aufmarsches im Februar in Dresden zu einem gewaltäigen Angriff auf ein linkes Wohnprojekt. An diesen Angriff beteiligten sich Kader des ABM. Gegen Häger und 25 weiteren Neonazis des ABM wurde am 20. August 2012 einer der größte Prozess gegen Nazis in der Geschichte der BRD eingeleitet. Es wurde wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Ende Mai diesen Jahres wurde das Verfahren fatalerweise eingestellt. Der Staatsanwalt ging in Rente, der Prozess war wegen “Überlänge” geplatzt. Diese Nazis wollen nun erneut einen NS-verherrlichenden Gedenkmarsch durch Spandau am 19.08. durchführen. Kommt alle nach Spandau zum antifaschistischen Widerstand!

NS-Verherrlichung stoppen!

Nie wieder Krieg!